Nobody’s Fault But Mine – Tommy Krappweis

Mein diesjähriges Weihnachtsständchen ist zugleich auch ein dankeschöniger Glückwunsch an die Macher und Mitglieder von #ichbinhier – einer Social Media Initiative, die sich seit nunmehr drei Jahren tagtäglich um Gegenrede, Richtigstellung und Sachlichkeit in den Kommentarspalten bemüht. Vielen vielen Dank für das, was Ihr da leistet -ich bin immer wieder beeindruckt von Eurer Hingabe, Eurer Mühe und dem durch und durch positiv beseelten Kampfgeist! Auf dass man Euch weiterhin mit Ehrungen, Preisen und vor allem Aufmerksamkeit überhäufe – Ihr habt all das verdient und noch mehr!
Der Song passt meiner Meinung nach perfekt auf das Anliegen von #ibh, aber ich finde, er ist auch ein gutes Weihnachtsständchen. Die ursprüngliche Fassung stammt von der Blueslegende Blind Willie Johnson von 1927. Er beschreibt mit einfachen, eindringlichen Worten, dass es seine eigene Verantwortung sei, ob seine Seele dereinst „verloren gehe“, er also als ein guter oder ein schlechter Mensch aus diesem Leben scheidet. Ich sehe das ganz genau so. Von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen ausdrücklich abgesehen, hat jedes Individuum die Wahl, ob es auf die innere Stimme hört, die uns sagt, ob das was wir im Begriff sind zu tun, richtig oder falsch ist. Ich habe den Text ein wenig angepasst, ohne die Kernaussage zu beschädigen (wie ich hoffe).
Es ist nicht das“Schicksal“, es sind nicht „die anderen“, es ist auch nicht die vielgescholtene Politik. Letztlich hat jeder Mensch die Freiheit, nach Kräften zu versuchen, ein guter Mensch zu sein. Dass das nicht immer gelingt, dass es Ausnahmesituationen gibt oder Probleme, in die man unweiglich hineingeboren wird, sind traurige Fakten. Wer in solchen Situationen trotzdem nach seinem moralischen Kompass handelt, verdient den allergrößten Respekt.

Wenn man in sich hinein hört, kann man eigentlich immer spüren, ob das was man im Begriff ist, zu tun, grundsätzlich richtig oder falsch ist. Manchmal ist dieses Gefühl überlagert von Einflüsterungen, Animositäten, Wut, Frust und anderen Dingen. Das kann es erschweren, den Zeiger auf dem moralischen Kippsensor abzulesen. Doch unter der Patina zeigt der Zeiger bei allen Menschen unerschütterlich in die richtige Richtung. Es lohnt sich, das Ding von Zeit zu Zeit von jeglichem Befall zu reinigen und sich bewußt zu werden, was im moralischsten aller Sinne RICHTIG ist. Je öfter man sich dazu entschließt, darauf zu hören, desto unfallfreier gelingt der tägliche Blick in den Spiegel. Und da das ganze moralische Gutmenschengetue in höchstem Maße ansteckend ist – selbst bei Leuten, die behaupten, das ganz anders zu sehen – kann ich nur dazu raten, sich nicht entmutigen zu lassen. So wie es die Mitglieder von #ichbinhier tun. So wie es Seenotretter, Feuerwehr, Notärzte, THW und die unzähligen freiwilligen helfenden, spendenden Menschen täglich tun.

Wenn das nicht der Geist der Weihnacht ist, dann weiß ich auch nicht.

Ich wünsche Euch allen ein friedliches Weihnachtsfest und ein ebensolches 2020. Es wird vermutlich nicht zu 100% klappen, aber schon ein paar Prozente Verbesserung sind als Erfolg zu werten.

Tommy Krappweis

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